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Internetgeschichten Teil #5 – Mit zu viel Gepäck unterwegs

Daniel Andreas Becker 0

In den vorangegangenen Teilen meiner Internetgeschichten habt Ihr durch einen Klick in der Google-Suche auf den Wikipedia-Artikel über Welpen Herbert in Eurem Smartphone auf eine Schnitzeljagd geschickt.

Internetgeschichten Teil #5 - Mit zu viel Gepäck unterwegs
(Bild von twarezak auf Pixabay)

Herberts Reise führte ihn durch eine Reihe von Computern, die irgendwo auf der Welt stehen und deren Besitzer Ihr vorher nicht einmal kanntet. Am Ende kam Herbert zurück und hatte noch nichts weiter erreicht, als die IP-Adresse vom Server mit dem Domänennamen „de.wikipedia.org“ herauszufinden. Zur Erinnerung: Das ist der Server, der den Welpen-Artikel zur Verfügung stellen kann.

Nun muss sich Herbert der ursprünglichen Aufgabe widmen. Er steigt in sein kleines Auto und los geht’s. Im Kofferraum liegt noch der Aufgaben-Zettel mit Aufschrift „Gib mir den Wikipedia-Artikel zu Welpen!“.

Wie eine solche Fahrt durch das Internet abläuft, haben wir in den Teilen #1, #2, #3 und #4 auf der Suche nach dem richtigen DNS-Server schon gesehen. Fassen wir es noch einmal kurz zusammen: Das Internet besteht aus vielen Computern, die über lange Kabel miteinander verbunden sind. Die Kabel funktionieren wie ein Straßennetz. Herbert fährt dieses Netz entlang bis zum Zielcomputer. Allerdings gibt Herbert nicht am Anfang den Zielort in sein Navi ein, wie wir es von langen Autofahrten kennen. Stattdessen hat er eine eigene Methode nach dem Motto „einfach mal losfahren und dann durchfragen“. Das schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

Wie in einem Straßennetz gibt es auch im Computernetz Kreuzungen. An jeder dieser Kabelkreuzungen befindet sich immer irgendein Computer. Diesem Kreuzungscomputer müssen kleine Datenautofahrer wie Herbert nur die IP-Adresse des Zielcomputers nennen. In Herberts Fall also die IP-Adresse des Wikipedia-Servers. Der Kreuzungscomputer zeigt dann den Weg, in welche Richtung die Fahrt weitergeht. Diese wegweisenden Computer nennt man Router, weil sie den Weg (auf Englisch bzw. ursprünglich Französisch „route“) durch das Internet vorgeben. Und der Router bei Euch in der Wohnung ist der erste Router in der Kette. Herbert weiß also zu Beginn der Reise gar nicht, wie seine Route bis zum Ziel verläuft. Er weiß noch nicht einmal genau, wo auf der Welt sich das Ziel befindet, wie lange der Weg ist oder die Reise dauert. Herbert verlässt sich komplett auf die anderen Computer und hofft einfach, dass kein schwarzes Schaf darunter ist, welches (absichtlich oder nicht) eine falsche Richtung angibt. Welche schwarzen Schafe es gibt und wie man verhindert, dass man auf diese reinfällt, werden wir in einem eigenen Teil der Internetgeschichten (wahrscheinlich mehreren) noch ausführlich beschreiben.

Jetzt muss man noch wissen, dass diese Router immer ein Ohr am Radio haben und den aktuellen Verkehrsmeldungen der anderen Router lauschen. Sind zu viele kleine Fahrer auf einer Straße, empfehlen sie eine Umleitung. Es kann also sein, dass unser Fahrer heute eine bestimmte Route zum Wikipedia-Server nimmt und morgen eine ganz andere. Auch Hin- und Rückweg können sich voneinander unterscheiden.

Und so fährt nun auch Herbert los. Die ersten Router gehören noch Eurem Internetanbieter, mit dem Ihr einen Vertrag gemacht habt. Danach kann Herbert viele weitere Router durchlaufen, die Leuten gehören, mit denen Ihr eigentlich nichts zu tun habt. Am Ende der Kette landet Herbert irgendwo auf der Welt bei einem Router der Wikimedia-Stiftung. Das ist die Organisation, die die Stromrechnung für die Wikipedia-Computer bezahlt. Dieser Router verweist dann an keinen weiteren Router mehr, sondern zeigt auf den gesuchten Server mit dem Welpen-Artikel.

Im Internet bilden Computer Ketten. Nachrichten werden von einem Computer zum nächsten weitergereicht bis sie das Ziel erreichen.Dort holt Herbert den Aufgaben-Zettel aus dem Kofferraum und liest ihn vor.

Herbert: „Gib mir den Wikipedia-Artikel zu Welpen!“

Wikipedia-Server: „Ok, Momentchen.“

Der Server verschwindet kurz hinten im Lager und kommt dann mit einem großen Paket zurück.

Wikipedia-Server: „Da ist das Ding! Kompletter Text inklusive süßer Hundebabyfotos. Einmal hier die Annahme bestätigen.“

Doch als Herbert das Paket sieht, ist er völlig entsetzt. Bislang hat er ja nur kleine Aufgaben-Zettel transportiert. So ein Wikipedia-Artikel besteht aber aus viel Text und vor allem Bilder benötigen viel Platz. Das Paket, das ihm der Server überreicht, ist also sehr groß.

Herbert (frustriert): „Aber … das ist viel zu groß für meinen Kofferraum.“

Wikipedia-Server: „Ist nicht mein Problem. Der nächste bitte!“

Der arme Herbert ist mal wieder völlig ratlos. Er ist zweimal um die Welt gereist um dieses Paket zu erhalten und nun sitzt er da und weiß nicht, wie er es zurück zum Smartphone bekommen soll. Wer sich bei einem Einkauf im Möbelhaus schon einmal verschätzt hat und mit der neuen Couch auf dem Parkplatz stand, kann sich in Herbert hineinversetzen. Mit Sicherheit habt Ihr aber dann nicht zu der Methode gegriffen, die Herbert jetzt wählt.

Denn Herbert geht sehr drastisch ans Werk. Mit einer Säge zerteilt er das große Paket in viele gleich große kleine Pakete. Dabei ist es ihm egal, ob er ein Wort oder ein Bild in der Mitte zertrennt. Die kleinen Pakete nummeriert er anschließend durch. „Am Ende müssen sie nur wieder in der gleichen Reihenfolge aneinandergeklebt werden.“ denkt er sich optimistisch.

Er startet einen Hilferuf unter seinen Freunden. Keiner hat einen größeren Transporter zur Verfügung, alle fahren nur kleine Autos. Aber Herbert hat viele Freunde und sie kommen zahlreich zuhilfe. Bald haben sich genügend Fahrer auf dem Parkplatz versammelt. Die kleinen Pakete passen jeweils in einen Kofferraum. Herbert verteilt seine Heim-IP-Adresse unter allen Fahrern, so dass diese wissen, wo sie hin müssen. Und dann fahren alle auf einmal los. Jeder für sich fährt zum nächsten Router und bekommt dort die Richtung angezeigt. Sie fahren dabei nicht in einer Karawane, sondern jeder nimmt seinen eigenen Weg. So viele Fahrer würden vielleicht einen Stau verursachen, wenn sie alle denselben Weg nehmen würden. Daher verteilen sie sich und nach und nach verlieren sie sich gegenseitig aus den Augen. „Wenn das mal gut geht.“ denkt sich unser Herbert. Aber was bleibt ihm anderes übrig?Im Internet werden große Datenpakete vor dem Versand in viele kleine zerteilt und einzeln auf die Reise geschickt. Am Ziel werden sie wieder zusammengesetzt.

Als Herbert nach langer Rückfahrt wieder am Smartphone angekommen ist (tatsächlich waren es 1-2 Sekunden), sind schon ein paar andere vor ihm da. Die hatten dann wohl eine schnellere Route. Andere Fahrer kommen nach ihm an. Die Reihenfolge der Pakete ist dabei natürlich komplett durcheinander gekommen. Aber da Herbert sie vorher durchnummeriert hat, kann er eines nach dem anderen an den richtigen Platz schieben und wie ein Puzzle wieder zusammenstecken. Bis zum letzten Paket muss er allerdings befürchten, dass einer der Fahrer falsch abgebogen sein könnte und niemals eintreffen wird. Dann wäre die ganze Arbeit umsonst gewesen. Er müsste sich noch einmal auf den Weg zum Wikipedia-Server machen und alles ginge von vorne los.

Aber Herbert hat Glück. Alle Fahrer treffen ein und am Ende hat er wieder das ursprüngliche große Paket zusammengesetzt. Er übergibt das Paket an Euer Smartphone-Display, womit seine Aufgabe endlich erledigt ist. Der Welpen-Artikel wird Euch nun angezeigt. Herbert wischt sich den Schweiß von der Stirn, setzt sich hin und packt sein Mittagessen aus. Gerade als er sich einen Bissen gönnen möchte, macht es hinter ihm „Klick“. Ihr  habt gesehen, dass Hunde von Wölfen abstammen und nun wollt Ihr alles über Wölfe wissen. Dazu gibt es ja zum Glück einen anderen Wikipedia-Artikel…


So! Wir haben die ersten fünf Teile der Internetgeschichten abgeschlossen. Herberts Reise sollte Euch eine Einführung in den Aufbau des Internets und den Ablauf hinter den Kulissen geben. In den nächsten Teilen werden wir verschiedene Themen rund um das Internet und die Welt der Computer angehen und dabei immer einmal wieder Herberts Schnitzeljagd aufgreifen. Beim nächsten Mal werden wir dann auch die schöne heile Welt verlassen und uns den ersten Internet-Schurken vorknöpfen. Wenn Ihr das nicht verpassen wollt, könnt Ihr die Internetgeschichten jetzt auch bei Facebook abonnieren. Und wenn Ihr den Blog unterstützen wollt, gebt ihm dort ein „Gefällt mir“. Jeder Daumen hoch freut mich riesig!
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