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Internetgeschichten Teil #3 – Die dreizehn Weisen

Daniel Andreas Becker 0
Internetgeschichten Teil #3 – Die dreizehn Weisen
(Bild von vivi14216 auf Pixabay)

In Teil #2 der Internetgeschichten haben wir eine Reise begonnen. Ihr habt bei Google nach Welpen gesucht und Google hat Euch die Seite de.wikipedia.org empfohlen. Mit Eurem Klick habt Ihr die Reise in Gang gesetzt. Unser kleiner Fahrer Herbert hat nun die heimische Wohnung verlassen und sich in die offene Wildnis gewagt. Der Router hat ihm immerhin die Internet-Nummer (IP-Adresse) eines Bibliothekars im Internet gegeben, der weiterhelfen könnte.Im Internet hat jeder Computer eine eigene Nummer. Diese Nummer heißt „IP-Adresse“.

Der Bibliothekar ist natürlich auch ein Server. Es gibt bestimmte Server, die sich Informationen zu Domänennamen merken. Zum Beispiel, welche IP-Adresse zu einem bestimmten Domänennamen gehört. Clients können an solche Server eine Anfrage zu einem bestimmten Domänennamen senden. Dann sendet der Server alles, was er dazu weiß, zurück.

Weil es sehr viele verschiedene Domänennamen gibt, haben sich diese Server ein Verwaltungssystem ausgedacht. Denn nur wenn sie die Domänennamen schnell finden, können sie auch schnell antworten. Das ist vergleichbar mit einer Bibliothek: Dort gibt es Regale, die nur Bücher zum gleichen Thema beinhalten. Innerhalb eines Regals sind die Bücher dann alphabetisch sortiert. Wenn man das weiß, kann man jedes Buch schnell finden. Das System zur Verwaltung von Domänennamen nennen wir  Domänennamensystem, auf Englisch „Domain Name System“ oder kurz DNS. Ein Server, dem wir Fragen zu Domänennamen stellen können, heißt entsprechend DNS-Server.Ein DNS-Server kann auf Anfrage zu einem Domänennamen die zugehörige IP-Adresse zurückliefern.

Herbert ist also gerade auf dem Weg zum nächsten DNS-Server im Internet. Der gehört üblicherweise der gleichen Firma, von der auch der Router ist, und bei der Ihr euren Internetanschluss gebucht habt. Das könnte nun zum Beispiel die Telekom sein. In diesem Fall fährt Herbert jetzt das Kabel entlang bis nach Bonn und trifft dort auf einen DNS-Server mit einem großen, magentafarbenen „T“ drauf. Am Eingang sitzt der DNS-Bibliothekar mit Lesebrille auf der Nasenspitze.

Herbert: „Hallo, ich benötige die IP-Adresse für den Domänennamen de.wikipedia.org.“

Bibliothekar: „Habe ich nicht. Sind wir hier nicht zuständig für.“

Herbert (ungläubig): „Aber du bist doch ein DNS. Du musst das doch wissen!“

Bibliothekar: „Nein, da musst du einen der dreizehn Weisen fragen.“

Herbert: „Der dreizehn was?! … ohje.“

Bibliothekar: „Aber wenn du die IP-Adresse findest und damit zurück kommst, dann kann ich die bei mir in die Liste eintragen. Der nächste der danach fragt, bekommt sie dann gleich.“

Herbert: „Na super … und wo finde ich jetzt so einen Weisen?“

Keine Bibliothek beinhaltet alle Bücher dieser Welt. Und kein DNS-Server kennt alle Domänennamen im Internet. Jeder kennt nur einen Teil. Aber sie kennen auch immer einen DNS-Server, der noch besser informiert ist. Es kann sein, das man ein Weile durchgereicht wird, nach dem Prinzip „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt…“. Wenn man das Spiel lange genug mitmacht und dem vorgegebenen Pfad folgt, erreicht man irgendwann einen der Chefs, einen sogenannten DNS-Root-Server. „Root“ ist das englische Wort für Wurzel. Man hat also sozusagen eine der Wurzeln des Internets erreicht.

Es gibt weltweit insgesamt dreizehn solcher DNS-Root-Server. Sie hätten aufgrund ihrer Bedeutung für das Internet vielleicht spektakulärere Namen verdient, stattdessen hat man ihnen einfach nur einen Buchstaben zugeordnet. Der erste Server wurde A-Server genannt, der zweite B-Server, usw. Der Bibliothekar gibt Herbert die IP-Adresse des elften DNS-Root-Servers oder auch „K-Root-Server“ und Herbert macht sich wieder auf den Weg.

Er muss eine ganze Weile fahren. Der K-Root-Server gehört einer gemeinnützigen Organisation mit dem schönen Namen „Réseaux IP Européens Network Coordination Centre“, abgekürzt „RIPE NCC“. Die Organisation sitzt in Amsterdam, der Root-Server steht aber in London (Mittlerweile haben die Root-Server überall auf der Welt Kopien von sich hinterlassen, aber darauf gehen wir ein anderes Mal ein).

Ihr müsst euch das nicht merken, aber an dieser Stelle könntet Ihr erstmals stutzig werden und Euch fragen: Ich habe einen Internetanschluss bei der Telekom und möchte etwas von Wikipedia. Was habe ich mit dieser Organisation aus Holland zu tun? Wir stolpern hier über ein ganz wichtiges Grundprinzip im Internet (vielleicht das wichtigste von allen): Wenn mein Client irgendetwas bei einem Server im Internet anfrägt, weißt du nie auf wessen Computer die Anfrage (oder die Antwort zur Anfrage) vorbeikommt. Ihr könnt so ziemlich alles vergessen, aber das solltet Ihr Euch irgendwo im Hinterkopf bewahren.

Schließlich kommt Herbert beim großen weisen DNS-Root-Server an und stellt sich in die Warteschlange. Herbert sieht viele andere Fahrer vorfahren, ihre Frage stellen und sich wieder entfernen. Als er an der Reihe ist, fühlt er sich ganz klein und nervös.

Herbert (ehrfürchtig): „Ha-hallo, ich benötige die IP-Adresse für de.wikipedia.org.“

Weiser DNS-Root-Server: „Die kenne ich nicht.“

Herbert: „Wtf……?!“

Weiser DNS-Root-Server (weise): „Verzage nicht, mein Freund. Ich habe die IP-Adresse nicht. Aber ich gebe dir die IP-Adresse vom alten Gründervater. Der hilft dir weiter.“

Allmählich fragt sich Herbert, ob er die richtige Jobwahl getroffen hat. Diese Aufgabe fühlt sich an wie die Suche von Asterix und Obelix nach Passierschein A38. Aber ich habe es oben gesagt: Kein DNS-Server kennt alle Domänen. Auch nicht der Root-Server. Er kennt nur den Weg zu den anderen DNS-Servern.

Herbert muss also seine Reise fortsetzen und gegen das was vor ihm liegt, war die bisherige Strecke eher gering. Denn im nächsten Teil geht es über den Ozean.

 


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