Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Kurz zu … der Verwechslung von WLAN und Internet (auch für dich, liebe Tagesschau)

Daniel Andreas Becker 0

Tagesschau.de titelte diese Woche „Schnelleres Internet in Sicht„. Und gleich im ersten Satz war zu lesen

Langsame oder instabile Internetverbindungen sollen bald Geschichte sein

Klingt super, doch die Ernüchterung folgte beim Lesen relativ schnell. Im Artikel wird nur beschrieben, dass wir in Zukunft im heimischen WLAN neben den bestehenden Frequenzen bald auch im 6 Gigahertz-Frequenzbereich funken dürfen. Damit wird das WLAN leistungsfähiger (allerdings auf Kosten der Reichweite). Aber damit wird nur die Verbindung zwischen den Geräten in der eigenen Wohnung besser. An der Geschwindigkeit der Internetleitung ändert sich nichts. Eine lahme Internetverbindung bleibt eine lahme Internetverbindung. Die Tagesschau liegt mit ihrem Titel leider voll daneben.

WLAN ist nicht Internet

WLAN ist nicht Internet

Die Verwechslung von WLAN mit Internet habe ich auch mehrfach bei der Debatte um die Digitalisierung unserer Schulen beobachtet, welche ja durch die Corona-Pandemie richtig befeuert wurde. Immer wieder werden die „steinzeitlichen“ Bedingungen angeprangert, vor allem müsse doch jeder Schüler mit einem Tablet und WLAN-Zugang in der Schule ausgestattet werden um Lerninhalte von den Bildungsservern im Unterricht abrufen zu können.

Tatsächlich hat die Bundesregierung 2019 im sogenannten „DigitalPakt“ eine Summe von über 5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, die die Bundesländer zur Förderung der digitalen Infrastruktur an Bildungseinrichtungen verwenden dürfen. Theoretisch müssen die Schulen das Geld nur beantragen und das WLAN einbauen.

Doch WLAN ist eben nicht Internet. Wenn eine Schule auf dem Land nur einen DSL-Anschluss auf Basis veralteter Kupferkabel hat, dann hat sie trotz WLAN-Ausstattung kein schnelles Internet. Wenn hunderte Schüler über diese Leitung Lerninhalte nutzen sollen, wird das nicht funktionieren. Die Schule benötigt erst einen Breitbandanschluss mit modernen Glasfaserkabeln und das ist ungleich komplizierter und teurer als die interne WLAN-Installation. Und: Das Geld aus dem DigitalPakt darf dafür nicht genutzt werden.

Die Stadt Zwickau hat es dennoch durchgezogen und einmal ausgerechnet: Damit sie 3,1 Millionen Euro aus dem DigitalPakt sinnvoll verwenden konnte, musste sie zunächst 600.000 Euro selbst investieren. Damit werden die städtischen Schulgebäude an das schnelle Glasfasernetz angebunden, wobei man Glück hatte, da das örtliche Energieversorgungsunternehmen diese Anschlüsse kostengünstig bereitstellen konnte. Die Hürde ist also ziemlich hoch und es wundert nicht, dass von den im Digitalpakt bereitgestellten 5 Milliarden Euro noch nicht einmal 1 Milliarde tatsächlich abgerufen wurde.

Die Bundesregierung hat leider lange benötigt um den Fehler im System zu erkennen und der Breitbandausbau geht in Deutschland nach wie vor nur schleppend voran, obwohl es auch hier mittlerweile Fördergelder gibt. Wer WLAN an Schulen fordert, müsste eigentlich dorthin die Kritik richten. Sobald Schulen konsequent an das Breitbandnetz angeschlossen sind, wird die interne Ausstattung auch folgen. Das gilt natürlich auch für andere systemrelevante Einrichtungen wie Verwaltungsgebäude, Krankenhäuser, usw.

Wie „digitalisiert“ die Bildungseinrichten sein müssen und ob wirklich jeder Schüler ein Tablet benötigt, ist dann noch einmal ein anderes Thema. Zumindest sollte der Unterschied zwischen WLAN und Internet irgendwo gelehrt werden. 😉


Wie das Internet funktioniert, haben wir beginnend mit Internetgeschichten Teil #1 – Was Restaurants und Computernetze gemeinsam haben in einfachen Worten erklärt. Um keinen Beitrag zu verpassen, kann man die Internetgeschichten mittlerweile auch bei Facebook abonnieren. Wenn Ihr den Blog unterstützen wollt, gebt ihm dort ein „Gefällt mir“.
Zur Facebook-Seite

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.